[Rezension] „Salon Salami. Einer ist immer besonders“ von Benjamin Tienti

Salon Salami
Einer ist immer besonders

von Benjamin Tienti

erschienen: Februar 2017
Verlag: Dressler
Seiten: 160
ISBN: 978-3-7915-0047-8
Hardcover: 12,99 €
Altersempfehlung: ab 10 Jahre

Buch beim Verlag

 

Kurzbeschreibung

Tja, manchmal ist das Leben etwas bunter: Hani Salmani (nein, nicht Salami) ist zwölf, hat einen kleinen Bruder, ihre Mama ist verschwunden und ihr Papa schneidet im Friseursalon von Onkel Ibo Haare, während der krummen Geschäften nachgeht. Als Hani herausfindet, dass ihre Mama im Gefängnis sitzt und Onkel Ibo wohl schuld daran ist, fasst sie einen verrückten Plan. Zum Glück hilft ihr Sozialarbeiterin Mira, und am Ende ist im Salon Salami-Salmani alles (fast) wieder paletti.

Modern, authentisch, unverwechselbar: die Geschichte einer liebenswert schrägen Familie!

Quelle: dressler-verlag.de

 

Autor

Benjamin Tienti wurde 1981 in Esslingen geboren.
Er arbeitete als Erzieher in Wohngruppen und Schulen und veröffentliche unter Pseudonym Kurzgeschichten in Punkmagazinen.
Gegenwärtig lebt der Autor in Berlin und arbeitet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit an einer Schule in Neukölln.
„Salon Salami“ ist seine erste Veröffentlichung in einem Kinderbuchverlag.

Quelle: dressler-verlag.de

 

Meine Meinung

Dieses Kinderbuch – mit einer recht schweren Thematik, wie ich auch finde – hat mich besonders neugierig gemacht. Allein schon vom Klappentext her, war ich gespannt, wie das ganze umgesetzt und gestaltet wird … und ich war mehr als überrascht. Die Thematiken sind nicht ohne – aber sie sind liebevoll umgesetzt. Sehr kind- und altersgerecht – eine bunte Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit findet man hier in diesem Kinderbuch – was mich sehr erstaunte.

Ich grübel jetzt noch, ob diese Thematik – die Ernsthaftigkeit, die auch dahinter steckt – überhaupt mit soviel Witz ausgelegt werden sollte und in Kinderhände gegeben werden darf.
Und ich muss sagen – ja  … so wie es hier geschrieben ist – so wie es hier aufgebaut, aufgegriffen und ausgeschmückt ist – so können Kinder ab 10 Jahre definitiv diese Geschichte lesen. Ich bin aber der Meinung, dass es auch die Eltern gelesen haben sollten um evtl. die Themen in einem Gespräch mit aufzugreifen. Immerhin gibt es hier einige schwere Aufhänger – die man nicht nur mit dem Witz, der hier in der Geschichte seinen Platz findet, abgewickelt werden darf.

Klar – ich will jetzt nicht diejenige sein, die alles zu verbissen sieht, hier nur belehrend den Zeigefinger hebt – ich will hier eigentlich nur verdeutlichen, dass es eine schöne Geschichte ist – die aber einige tiefgreifende Themen aufgreift.
Genau diese sollten dann auch besprochen werden und nicht nur als „Geschichte“ abgetan werden – denn dazu ist sie viel zu realitätsnah – wenn auch hier in übertriebenem Sinne in die Geschichte gepackt.

(Ich hoffe – es versteht mich noch jemand *lach*)

Die Themen die hier zur Sprache kommen sind einmal das Verschwinden der Mutter – für die Kinder ist die Mutter einfach weg – und das ist heftig. Doch Hani (12 J.) kommt der Sache auf die Spur und erfährt, dass ihre Mama im Gefängnis ist (erschreckend nicht?) … doch Hani ist ja nicht alleine, sie hat noch einen jüngeren Bruder (fast 6  J.) und den bringt sie täglich zur Kita und sorgt dafür dass er morgens frühstückte, abends duscht und dann auch ins Bett kommt …. muss Hani nicht zur Schule oder ist Moma nicht in der Kita, dann helfen sie ihrem Vater im Salon.

Ja – sehr fleissige Kinder, die aber allerhand Probleme haben – denn wenn Hani eine Bank überfällt (mit einem Tomatenmesser) in der Hoffnung, dass sie dann auch ins Gefängnis kommt zu ihrer Mama – dann das Jugendamt zur Hilfe geholt wird – der Vater von allem nichts weiß oder wissen will – und sich auch nicht wirklich ernsthaft der Sache annimmt – ja, dann ist da einiges im Busch.

Es wird zwar hier alles sehr lustig dargestellt – ich musste oftmals Schmunzeln  – aber es sind schon sehr schwere Situationen für diese Familie. Auch als das Thema Drogen mit ins Spiel kommt – da wurde mir dann schon leicht anders und ich überlegte ob das wirklich Thema sein sollte. ABER ja – hier passt das alles wunderbar zusammen. Ich war zwar zwischendurch geschockt, als hier umgangssprachliche und leider auch sehr heftige Schimpfworte gefallen sind, die meine Tochter in der Schule leider auch schon aufgegriffen hatte. Mein erster Gedanke war zwar „OH NEIN – das muss ein Kind in dem Alter nun wirklich nicht lesen“ … aber mein zweiter Gedanke sagt mir dann was anderes – denn das Leben ist leider kein Ponyhof – und die Wahrheit kann man auch nicht verdrängen – denn damit werden wir und unsere Kinder heutzutage schon früh konfrontiert – traurig, aber wahr. Und ganz ehrlich – in der Situation der Geschichte- um die Glaubhaftigkeit der Handlung, die Realität deutlich rüberzubringen – da passte das leider super rein.

 

Was mich wahnsinnig faszinierte war die Person Hani – sie ist so ein taffes, starkes und vor allem kluges Kind. Ich musste am Ende des Buches sooooo herzhaft lachen. Aber Hani ist eben auch ein Kind und mit der Aufgabe die ihr auf den Schultern liegt, einfach überfordert ist. Doch das ist noch nicht alles – sie vermisst natürlich sehr stark ihre Mama. Auch wenn es nach außen hin immer nicht so wirkt. Hani hat mir teilweise sehr leid getan und ihre Handlungsweise – ihre Taten waren auf ihre kindliche Art voll verständlich und nachvollziehbar.  Aber auch alle anderen Figuren, die hier zum Einsatz kommen sind eine so frische, bunte Mischung – absolut Multi-Kulti muss man fast schon sagen. die dann auch die ganze Geschichte wahnsinnig witzig, spritzig und frisch ausschmücken.

Die Mischung macht sich auch in der Thematik bemerkbar, die man hier antrifft – Reale Probleme von heute  (Vorurteile, Akzeptanz, Drogen, Verantwortung, Hilfsbereitschaft etc.) – liebenswürdige und interessante Charaktere – traurige Wahrheit (Verlust der Mama, Drogen)  – starke Ideen und die richtige Portion Witz gewürzt mit ein bisschen Liebe, Verständnis und jeder Menge Freunde- das hat schon was. Aber auch auf die Kürze der Geschichte bezogen, die Entwicklung, die die Figuren in dieser Geschichte durchlaufen – das berührte und begeisterte mich sehr.

Ich gehe aus diesem Kinderbuch für junge Leser ab 10 Jahren trotz allem skeptisch raus. Es ist eine Geschichte, die auf jeden Fall mit einer gewissen Ernsthaftigkeit aber auch mit der gesunden Portion Humor hier nicht so locker leicht abgefertigt werden sollte – darum bin ich der Meinung, dass man als Eltern ruhig hier auch seine Nase mit reinstecken MUSS um danach auch als Gesprächspartner für die jungen Leser mithalten zu können – denn Gesprächsstoff ergibt sich daraus ganz bestimmt.

 

Also wie ihr seht – das Kinderbuch „Salon Salami. Einer ist immer besonders“ sticht ganz schön raus mit seiner Thematik – aber auch mit dem Schwerpunkt des „besonders sein“ der hier im Buch öfters deutlich wird – ist es eine gelungene, interessante und durchaus witzige Story – die aufzeigt, dass nicht alles immer so ist, wie es scheint.

 

 

Fazit

„Salon Salami. Einer ist immer besonders“ von Benjamin Tienti ist ein Kinderbuch für Leser ab 10 Jahre – und deren Eltern. Ich bin der Meinung, dass hier gemeinsam gelesen werden sollte, bzw. dass die Eltern die Geschichte auch kennen. Denn dieses Buch sticht heraus – durch seine Thematik , durch die Mischung aus Ernsthaftigkeit, Realität und Witz. Es stimmt nachdenklich und lässt einen teilweise geschockt zurück. Es wird hier nichts beschönigt -nur teilweise lustig dargestellt und ausgeführt.

Dieses Buch bietet allerand Gesprächsstoff – dem dann auch nachgegangen werden sollte. Es ist eine absolut aussergewöhnliche, tiefgründige aber auch altersgerecht dargestellte Geschichte. Lustig und traurig – gefühlvoll, familiär, sowie offen und ehrlich.

 

 

Eine weitere Rezension zu diesem Buch findet ihr bei Books and Cats.

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